Nicht bei mir

NICHT BEI MIR


Ich lächelte gequält. Er konnte die Schweißperlen auf meiner Stirn nicht sehen, da meine Haare sie verdeckten. Mit strahlenden Augen sah er mich an. Das kräftige Blau schmerzte mich jedoch diesmal. Ich täuschte meine Fröhlichkeit vor.

 

„Ich liebe sie. Wow, Tanja, sie ist so toll!“ Das Glück schwang in seiner Stimme mit. Es traf mich wie ein Schwerthieb, das mich zum Schwangen brachte und mir den Atem raubte.

 

„Laren.. ich muss.. weg.“ Ich spuckte die Worte förmlich aus und taumelte dann einige Schritte nach hinten. Ich drehte mich um und rannte weg. Die Schritte hallten laut unter meinen Füßen und vergrößerten den Schmerz in mir.

 

Es war die Einsamkeit, die Trauer und der Selbstmitleid der mich erfüllte.

 

Er hatte sich verliebt. Tatsächlich.

 

Die erste Träne bildete sich in ihren Augen. Sie versuchte sie krampfhaft zu unterdrücken.

 

Es war alles um sonst gewesen! Meine Gefühle waren ihm egal, wahrscheinlich wusste er nicht einmal etwas davon. Ich war so ein Trottel. Wütend stieß ich mich gegen meinen Spind. Ich prallte voller Wucht gegen ihn und sank zu Boden.

 

Die Tränen rannten meine Wangen herunter.

 

Warum nur? Ich hatte ihn…

 

Ich hatte ihn geliebt. Ungewollt tauchte sein Abbild auf. Seine blauen Augen, das bronze-farbene Haar, das er immer nach vorne kämmte. Der ein wenig muskulöse Körper. Das schräge Lächeln, das immer auf seinen Lippen hang.

 

Ich Idiotin. Ich schrie auf. Meine Stimme versagte und halte krächzend wieder.

 

Mein Körper bebte, die Tränen rannten herunter.

 

Ich spürte die riesige Welle die an mich leckte. Sie kostete von meinem Schmerz. Er war ihr groß genug. Sie näherte sich mir. Sie reichte mir gerade bist zu den Zehenspitzen. Doch sie stieg. Sie stieg und bald erreichte sie meine Brust. Sie drang in mir und überspülte es. Sie schlug mir ein riesiges Loch in das Herz. Ich atmete schwer. Ich spürte die Leere die sich plötzlich in mir ausbreitete.

 

Ich schloss meine Augen und versuchte mich aufs Atmen zu konzentrieren.

 

Mein Körper bebbte, ich lag in Embryoform auf den Boden. Ich hatte mich fest umschlungen.

 

Laren…

 

Er war für immer verloren…

 

Ich wippte mich hin und her. Der Schmerz wollte sich nicht entfernen. Die riesige Trauerwelle kam immer wieder, überspülte mich immer wieder aufs Neue.

 

Ich spürte die Kälte die die Nässe hinterlassen hatte.

 

Und plötzlich lag etwas warmes auf meiner Schulter.

 

„Tanja?“

 

Ich erschrak. Die Welle sank. Laren.

 

„Mir.. mir geht es gut.“

 

Er setzte mich auf. Langsam nahm er mein Gesicht in seine Hand.

 

„Tanja. Ich bin wirklich verliebt. Tanja.. Ich bin in dich verliebt. Ich habe es dir die ganze Zeit sagen wollen. Ich liebe dich.“

 

Mein Blick wurde klarer.

 

Ich schaute ihn an.

 

„Was? Wirklich?“

 

Er zögerte, dann nickte er.

 

Die Welle verschwand und suchte sich ein anderes Opfer. 

 

Glücklich nahm ich seine Hand und richtete mich auf. Er lächelte mich an.

Ohne einer Spur der bösartigen Trauerwelle verließ ich mit ihm die Schule – händchenhaltend.






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